Kochen, Knödel, Gemütlichkeit

Gib mir die Kugel: Knödel für jeden Geschmack

Gepostet auf 8. Mai 2020 by Team kochen-lernen.net

Ausgehbeschränkungen, Social Distancing, Hiobsbotschaften im Newsfeed – ja, das Leben unter COVID-19 ist kein Zuckerschlecken. Andererseits wissen wir von Kochen-lernen.net, wie diese harte Zeit etwas versüßt werden kann und sagen deshalb: Geben Sie sich die Kugel! Denn Knödel sind nicht nur schnell und einfach zuzubereiten, sondern können auch, je nach Zutat, von zuckersüß bis wohlig-herzhaft allen Geschmäckern gerecht werden. In diesem Artikel stellen wir ein paar Rezepte vor, die Leib und Seele wärmen.

Man kann das Rad nicht neu erfinden – Knödel schon.
Über die Vorzüge dieses Küchenklassikers

Zugegeben: Wer den Begriff „Knödel“ – in Mittel- und Norddeutschland „Kloß“ – sieht oder hört, der denkt zunächst an mit Plastikblumen und Spitzendeckchen dekorierte Wirtshäuser, die ihre beste Zeit schon immer hinter sich hatten. Das können wir Ihnen nicht verübeln, liebe Leser, und sind auch deswegen angetreten, den Gegenbeweis zu erbringen. Wir sagen: Knödel sind cool! Knödel sind deshalb nicht totzukriegen, weil sie kulinarische Evolutionen überstehen und regionalen Vorlieben angepasst werden können.

 

Knödel verbinden Europa

Zum einen sind Knödel ein Gericht, das zusammenbringt; man könnte auch sagen, Knödel sind die Masse, die Europa zusammenhält, schließlich scheint jedes Land seine eigene Interpretation dieses Küchenklassikers zu kennen. Ähnliches gilt für die Maultasche – aber die hat einen eigenen Artikel verdient. Wer braucht schon den Eurovision Song Contest, wenn er Knödel haben kann? Eben.

Als besonders produktive Knödel-Testanlage hat sich Zentraleuropa erwiesen: Dort, auf dem Gebiet der ehemaligen k.u.k.-Monarchie, entstanden vielerlei Rezepte, die dem runden Gaumenschmaus huldigen – mal als alleiniger Star im (Küchen-)Rampenlicht, mal als unaufdringliche, dennoch bemerkenswerte Begleitung einer deftigen Mahlzeit. Gerade in Ländern wie Österreich, Ungarn, Slowenien, der Slowakei sowie der Tschechischen Republik und auch Polen sind Knödel ein unverzichtbarer Bestandteil der kulinarischen Tradition. Blickt man gen Süden, erspähen wir den italienischen, ebenso deliziösen Knödel-Cousin, die Gnocchi. In Schweden wiederum landen die sogenannten „kroppkakor“ auf dem Teller, und das föderal verwaltete Deutschland kennt zig Knödelvarianten, bei denen jede*r fündig wird.

 

Knödel sind ein gesundes, einfaches Gericht

Zum anderen sind Knödel schnell und einfach zuzubereiten. Ihre überregionale Beliebtheit rührt zudem daher, dass Speisereste oftmals die Basis für den Teig sind, weswegen die nachhaltigen Zauberkugeln auch der Generation „Fridays for Future“ munden dürften. Darüber hinaus ist dieses Gericht äußerst vielseitig: Vegan und vegetarisch, herzhaft und süß – Knödel gibt es in allen erdenklichen Variationen, von denen wir ein paar im Folgenden vorstellen.

 

Semmelknödel: klassisch und deftig

Hier zu einem klassischen Vertreter der Resteküche. Bitte keine falsche Bescheidenheit, du rundes Wunder, denn wir alle wissen: Reste sind das Beste! Deswegen kann diese Knödelvariante sowohl pur als auch in Kombination mit einem saftigen Braten einverleibt werden.

Klöße, Semmelknödel, Brot

Knödel sind essbare Badekugeln – immer schön im Wasserbad ziehen lassen. © matthiasboeckel / pixabay.com

Sie benötigen:

  • 5 Brötchen (Semmeln, gerne schon ein paar Tage alt)
  • 1 l Milch
  • 100 g Butter
  • 3 Eier
  • 2 Speisezwiebeln
  • 150 g Speck
  • etwas Petersilie
  • eine Prise Salz, Pfeffer und Muskat

Zubereitung:

  • Die Brötchen werden in kleine Stücke geschnitten. Die Brotwürfel in eine Schüssel geben.
  • Jetzt Milch dazugeben: Dadurch werden die Brotstücke aufweichen.
  • Zwiebeln kleinschneiden.
  • In einer kleinen Pfanne die Butter auf mittelhoher Flamme erhitzen. Ist die Butter zerlassen, können Sie den Speck Nach ca. 5 Minuten die Zwiebeln hinzufügen und alles solange braten, bis der Speck gar ist. Anschließend die Pfanne vom Herd nehmen.
  • Das Butter-Zwiebel-Speck-Gemisch zu den eingeweichten Brotstücken geben, würzen und alles zusammen mit den Eiern und der Petersilie (kleingeschnitten) gut mit den Händen zu einer Masse vermengen sowie bei Bedarf abschmecken.
  • Formen Sie die Masse nun zu mittelgroßen Knödeln.
  • Jetzt viel Wasser in einem großen Topf aufsetzen: Das Wasser sollte siedend heiß sein, dann können die Knödel rein. Diese solange im Wasser ziehen lassen, bis sie an der Oberfläche schwimmen – dann sind die Knödel gar.
  • Nun die Knödel mit einer Schöpfkelle oder einem Pfannenwender herausnehmen und auf Tellern servieren. Das Ergebnis kann mit etwas Petersilie noch verschönert werden.

Tipp: Semmelknödel passen als Beilage zu einem Braten wie Kasseler, zu Rouladen und zu Rahmgeschnetzeltem, aber auch Pilzgerichte sind eine geeignete Begleitung. Dabei können Sie die etwas leichtere Crème fraîche anstelle von Sahne verwenden.

 

Spinatknödel mit Salbeibutter: vegetarisch und leicht

Diese Variante gefällt nicht nur dem Gaumen, sondern auch dem Auge. Die satt-grüne Farbe weckt Erinnerungen an den Frühling, wobei diese Variante auch mit umwerfenden inneren Werten punktet: Spinat enthält viel Eisen, also ein essenzielles Spurenelement.

Spinat, Gemüse, Immunsystem

Voller Eisen und Vitamine: Spinat ist pures Blattgold. © ponce_photography / pixabay.com

Sie benötigen:

  • 250 g Blattspinat (aufgetaut, frischer Spinat ist auch gut)
  • 5 Brötchen vom Vortag
  • 1 Ei
  • 250 g Ricotta
  • eine Prise Salz, Pfeffer und Muskat
  • 100 g Butter
  • 50 g Mehl
  • 50 g Le Gruyère (oder Gorgonzola)
  • 1 Knoblauchzehe
  • 8-9 Salbeiblätter
  • 1 TL Zitronenschale
  • eine Prise Salz und Pfeffer

Zubereitung:

  • Zuerst die Brötchen, die am besten ein bis wie Tage alt sind (länger geht auch): Die Brötchen werden kleingeschnitten und in eine Schüssel gegeben.
  • Dann den Gruyère-Käse fein reiben und in eine kleine Schüssel füllen.
  • Den Spinat, wenn er frisch ist, gut waschen und kurz in heißem Wasser sieden lassen (das nennt man blanchieren; hierbei das Kalt-Abschrecken, also das Legen des blanchierten Spinats in eiskaltes Wasser, nicht vergessen, um die Farbe des sattgrünen Gemüses zu erhalten). Wenn Sie TK-Spinat verwenden sollten: Spinat auftauen, gut abtrocknen und anschließend hacken.
  • Die Semmelwürfel mit dem Käse und dem Spinat in eine große Schüssel geben.
  • Ricotta, das Ei, Mehl und die Zitronenschale hinzufügen.
  • Alles gut miteinander verkneten, ehe die Masse mit Salz und Pfeffer abgeschmeckt wird.
  • Nun können Sie mit den Händen etwa zwölf mittelgroße Knödel formen.
  • Bringen Sie jetzt einen großen Topf mit reichlich Salzwasser zum Kochen; die Temperatur muss dann etwas heruntergedreht werden: Die Knödel kann man dann bei ca. 12-15 Minuten bei mittlerer Hitze ziehen lassen und anschließend mit einer Schaumkelle oder einem Pfannenwender aus dem Wasser holen.
  • In der Zwischenzeit können Sie sich um die Buttersoße kümmern: Dazu den Knoblauch schälen, in kleine Stücke schneiden und mit etwas Butter in einer kleinen Pfanne erhitzen. Der Knoblauch sollte leicht glasig sein, ehe der Salbei dazukommt. Den Salbei nun leicht anbraten.
  • Die Salbeibutter kann entweder in ein Kännchen oder direkt über die Spinatknödel gegossen werden.

Tipp: Anstelle von Spinat kann man auch Bärlauch verwenden, der genauso köstlich ist, jedoch stärker nach Knoblauch schmeckt.

Extratipp: Spinatklöße passen gut zu Spiegeleiern und Fisch.

 

Marillenknödel in Butterbröseln: süß und fruchtig

Ende August, Anfang September blicken wir wehmütig auf den Sommer zurück. Doch Trübsal blasen muss nicht sein: Mit diesem Gericht steigt die Vorfreude auf die Zwetschgen- und Aprikosen-Saison – auf die Marillen, wie man in Österreich zu letzteren sagt.

Marillenknödel, Aprikosen, Dessert

Kaiserlich köstlich, aber kein Schmarren: Marillenknödel, eine österreichische Spezialität. © RitaE / pixabay.com

Sie benötigen:

  • 6 Marillen (= Aprikosen)
  • 250 g Magerquark
  • 140 g Semmelbrösel
  • 1 Ei
  • 70 g Margarine oder Butter
  • 130 g Mehl
  • 1 EL Butter (für die Butterbrösel)
  • 6 Stück Würfelzucker (oder Vanillinzucker)
  • 5 EL Puderzucker (zum Bestreuen)
  • Prise Salz

Zubereitung:

  • Zunächst wird der Quarkteig zubereitet: Dazu bitte die Butter oder Margarine in einer mittelgroßen Schüssel verrühren. Dann den Quark, das Mehl und Salz dazugeben und diese Masse solange durchkneten, bis ein Teig entsteht.
  • Den Teig in sechs etwa gleich große Stücke aufteilen. Die Hände mit etwas Mehl einreiben und mit den bemehlten Händen anschließend die einzelnen Teigportionen zu flachen Teigscheiben drücken.
  • Die Marillen gründlich waschen, abtrocknen, halbieren und jeweils den Kern entfernen. Anstelle des Kerns ein Stück Würfelzucker hineindrücken und die beiden Marillenhälften wieder zusammensetzen.
  • Diese zusammengesetzten Marillenhälften nun auf die flachgedrückten Teigstücke legen und mit dem Teig zu einem Knödel formen. Die Marillen sollten komplett mit Teig umhüllt sein.
  • Nun einen großen Topf mit Salzwasser Wenn das Wasser kocht, dürfen die Marillenknödel ins Wasser. Die Temperatur stark herunterdrehen, damit die Knödel sieden können – diese brauchen nun ca. 10-12 Minuten, bis sie gar sind, also an der Wasseroberfläche schwimmen. Holen Sie die Marillenknödel mit einer Schöpfkelle heraus und legen Sie die Kugeln auf einen großen Teller.
  • Währenddessen eine mittelgroße Pfanne nehmen und darin ein EL Butter Dann die Semmelbrösel kurz darin anrösten.
  • Schließlich werden die Marillenknödel in der Pfanne mit den Butterbröseln gewälzt.
  • Vor dem Servieren die Marillenknödel – je nach Belieben – mit etwas Puderzucker bestreuen. An Guadn!

Tipp: Die säuerlich-fruchtige Note dieses Knödels kann etwas leicht Milchiges, auch Nussiges vertragen – darum schmeckt diese Nachspeise auch gut mit einem Schuss Vanillesoße.

 

Knödel sind eine runde Sache!

Abgesehen davon, dass sie so gut wie immer gelingen, überzeugen Knödel durch ihren tollen Geschmack. Sie taugen sowohl zur Beilage als auch zum Hauptgang, der lange sättigt. Und wenn’s schnell gehen soll, sind Knödel sowieso perfekt.

Was soll man sagen? Knödel sind Liebe.